Atomenergie - FAQ

Fragen zur Technik


Wie gefährlich sind Castortranporte/ -behälter?

Der Transportbehälter ist ein Sicherheitsrisiko.
Die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) stellt die Castorbehälter her. Sie darf das, weil ihr der TÜV Berlin ein Qualitätssicherungszertifikat ausgestellt hat. Der TÜV ist ein Wirtschaftsunternehmen, das Großkunden nicht verprellen darf. Die GNS arbeitet mit dem TÜV Berlin zusammen, weil der Vorstandsvorsitzende und mehrere Vorstandsmitglieder gleichzeitig in Führungspositionen von Betreibergesellschaften der AKW oder bei beteiligten Banken tätig sind. Dieser TÜV kann also auf keinen Fall als unabhängige Kontrollinstanz gelten. Er wahrt andere Interessen als die der öffentlichen Sicherheit?
Dementsprechend sehen die Sicherheitskriterien aus: Der Behälter soll einen Sturz aus 9m Höhe oder eine Kollision bei 48 km/h überstehen können. Aber viele Brücken der Deutschen Bahn sind höher als 9m und ihre Züge fahren schneller als 48 km/h.
Die "Sicherheit" der Behälter wird nicht an Serienfabrikaten überprüft. Es werden lediglich Simulationen durchgeführt auf der Grundlage von Crashtest-Daten, die vor Jahren an Castoren anderer Bauweise gewonnen wurden. Alternativ werden Crashtests mit Modellen durchgeführt. Negative Ergebnisse führten bisher allerdings nicht zu konstruktiven Verbesserungen.
Interessant ist auch die interne Prüfvorschrift 511, nach der die Außenkontaminationen an Castorbehältern zu messen sind. Diese Vorschrift wurde vom Transporteur GNS (Gesellschaft für Nuklearservice, Essen) selbst verfasst und von der zuständigen Bundesbehörde BfS abgesegnet. Sie sorgt dafür, dass Veränderungen der Kontamiationen, die unterwegs vorkommen könnten, niemals gemessen werden. Zitat aus dieser Vorschrift: " Im Transportbehälterlager, in dem der Behälter gelagert werden soll, sind Kontaminationen nur an den in der abgebenden kerntechnischen Anlage nicht erfassten Stellen durchzuführen"
Abgesehen von den Außenkontaminationen dringt Strahlung aus dem Innern der Behälter, über die Hälfte davon in Form von Neutronenstrahlung. Diese wird durch Kunststoff-Schichten oder -Stäbe abgebremst - jedoch nicht überall. In großen Bereichen fehlt diese Abschirmung. An diesen Stellen wird "vorsorglich" nicht gemessen.

Castorbehälter werden wie gewöhnliches Frachtgut behandelt, d.h. auch hinter Waggons mit explosivem bzw. leicht entzündlichem Material transportiert.
Der Transportbehälter muß widersprüchlichen Anforderungen genügen. Die Wände müssen dick sein, damit keine Strahlung austritt. Sind sie dick genug, ist der Behälter so schwer, daß er nicht mehr transportiert werden kann.

Die äußere Kontamination an den Transportbehältern, die 1998 einen "Castor-Skandal" ausgelöst hat, ist demnach nur eine von vielen Gafahren, die von Castor-Transporten ausgehen.
 


© 2000 Institut zur Förderung von Akzeptanzproblemen in der Atompolitik.

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